KI-Change-Management: Wie DEKRA 49.000 Mitarbeitende in die KI-Revolution mitnimmt
Das Jahr 2026 hat gerade erst begonnen. Die Ambitionen aber sind überall bereits sehr groß: Laut den jüngsten Gartner-Zahlen werden Unternehmen weltweit 2,5 Billionen Dollar in KI investieren. In Deutschland priorisieren laut der letzten Expleo AI Pulse-Studie Führungskräfte 2026 Investitionen in KI-Cybersicherheit (35%), Automatisierung (29%) und datengesteuerte Entscheidungen (23%). Doch während die Technologie rasant voranschreitet und die Budgets dafür steigen, bleibt eine praktische Frage unbeantwortet: Wie nimmt man erfolgreich operative Mitarbeitende aus traditionsträchtigen Großunternehmen bei der KI-Revolution mit? Wie sieht effektives KI-Change-Management aus?
In der ersten Folge des neuen Business-Podcasts "Wo Wandel wirkt" spricht Flip-CEO Benedikt Brand mit Petra Finke, Chief Digitalization Officer und Vorständin bei DEKRA, über die praktischen Herausforderungen der KI-Transformation. Das Gespräch gewährt exklusive Einblicke, wie ein 100 Jahre altes Unternehmen wie die DEKRA mit 49.000 Mitarbeitenden, 31 Millionen Fahrzeugprüfungen pro Jahr und 4,1 Milliarden Euro pro Jahr Umsatz den Sprung ins KI-Zeitalter schafft, und dabei niemanden zurücklässt. Finke offenbart dabei nicht nur die strategischen Lösungen, sondern auch die menschlichen Abgründe zwischen Vorstandsetage und operativer Realität, die jeden Change-Prozess gefährden können.
Key Takeaways
KI-Change-Management erfordert menschenzentrierte Transformation, nicht nur Technologie-Implementation. Die größte Herausforderung bei der KI-Einführung liegt nicht in der technischen Umsetzung, sondern in der Überwindung von Verlustängsten und Kontrollverlust bei Expert:innen. DEKRA zeigt, dass erfolgreiche KI-Transformation ein strukturiertes Drei-Stufen-Modell benötigt: von task-spezifischen KI-Lösungen über Workflow-Automatisierung bis hin zur vollständigen Prozess-Transformation.
Digitale Touchpoints für operative Mitarbeitende sind erfolgsentscheidend. Bei Unternehmen mit operativen Mitarbeitenden ohne Schreibtisch (über 30.000 bei DEKRA) scheitern klassische Kommunikationskanäle wie E-Mail und Intranet. Mobile Mitarbeiter-Apps mit integrierten KI-Funktionen ermöglichen es, alle 49.000 Mitarbeitenden in Echtzeit zu erreichen und direkt mit Unternehmenswissen zu versorgen. Das ist ein kritischer Erfolgsfaktor für Change-Akzeptanz.
Champions, Quick Wins und potenzialorientierte Kommunikation treiben Akzeptanz. DEKRA setzt erfolgreich auf interne Botschafter aus der operativen Ebene, die Peer-to-Peer überzeugen, sowie auf schnell spürbare Verbesserungen im Arbeitsalltag (z.B. KI-gestützte Wissensdatenbanken, automatisierte Schadensberichte). Die Kommunikationsstrategie fokussiert bewusst auf Potenziale statt Angst und kombiniert transparente Business Cases mit kontinuierlichem Dialog.
Was ist KI-Change-Management?
Die klassische Definition von Change Management – ein strukturierter Ansatz zur Planung, Implementierung und nachhaltigen Verankerung von Veränderungen in der Unternehmenskultur – reicht für die Arbeitsrealität von 2026 nicht mehr aus. KI-Change-Management ist heute der Kampf um die Kontrolle darüber, wer die Transformation gestaltet: Menschen oder Algorithmen.
Das Besondere an der KI-Einführung ist radikal: Anders als bei bisherigen IT-Implementierungen entziehen sich diese Systeme der klassischen Kontrolle. KI-Systeme lernen kontinuierlich, treffen eigenständige Entscheidungen ohne explizite Programmierung, verändern Arbeitsabläufe in Echtzeit und machen dabei Fehler, die niemand vorgesehen hat. Ein:e Prüfer:in bei DEKRA, der:die 20 Jahre lang nach standardisierten Prüfprotokollen arbeitet, muss plötzlich mit einem KI-System zusammenarbeiten, das die Protokolle selbst hinterfragt und optimiert. Das ist nicht einfach eine neue Software. Das ist ein Kulturschock.
"Wenn Veränderungen in so einer Geschwindigkeit kommen, wie sie jetzt auch wirklich für jeden im Privatleben oder im Beruf ganz offensichtlich sind, verursacht das Unsicherheit", fasst Petra Finke im Podcast "Wo Wandel wirkt" das Kernproblem zusammen. Und diese Unsicherheit ist kein Bug, sondern das Feature, mit dem jede erfolgreiche KI-Transformation kämpfen muss.
Was sind die größten Herausforderungen bei der KI-Einführung?
Die zentrale Herausforderung von KI-Change-Management 2026 lautet nicht: Wie implementieren wir die Technologie? Das wissen Unternehmen mittlerweile. Die echte Frage ist: Wie gestalten wir den Übergang so, dass Expertinnen und Prüfer, Fachkräfte und operative Teams ihre Existenzberechtigung behalten und gleichzeitig einen enormen Produktivitätssprung erleben?
Bei DEKRA bedeutet das konkret: Die über 49.000 Mitarbeitenden – insbesondere die 30.000+ operativen Mitarbeitenden in der Werkstatt und auf der Straße – müssen nicht nur verstehen, dass KI kommt. Sie müssen erleben, dass KI ihre Arbeit besser, schneller und sicherer macht. Und genau darin liegt das Kernversprechen eines modernen KI-Change-Managements: Es geht nicht um die Digitalisierung von Menschen, sondern um die Humanisierung von Technologie.
Verlustangst und Kontrollverlust durch KI-Einsatz bei Expertinnen und Experten
Besonders in wissensintensiven Organisationen wie DEKRA stößt die KI-Einführung auf spezifische Widerstände. "Dieses Wissen fließt plötzlich, damit trainieren wir KI-Systeme. Das heißt, da ist auch eine Form von Verlustangst oder Kontrollverlust", beschreibt Petra Finke eine der größten Hürden.
Bei DEKRA durchlaufen Prüfingenieur:innen nach dem Masterstudium eine mehrjährige interne Ausbildung. Dieses über Jahrzehnte aufgebaute Expertenwissen bildet nun die Grundlage für das Training von künstlichen Intelligenz-Systemen – ein Prozess, der bei vielen Fachkräften die Frage aufwirft: "Werde ich noch gebraucht?"
Die Kluft zwischen Vorstandsetage und operativer Ebene
Die zweite große Herausforderung liegt in der unterschiedlichen Wahrnehmung von KI-Projekten auf verschiedenen Hierarchieebenen. Während der Vorstand die strategischen Chancen der KI-Revolution sieht, stehen operative Mitarbeitende vor konkreten Veränderungen in ihrem täglichen Arbeitsablauf
"Da geht es eigentlich darum zu erklären, wie wichtig dieses Wissen ist, um eben dieses System zu trainieren. Und auf der anderen Seite, dass sie die Prüfer unterstützen, bessere Qualität auch dann zu liefern", erläutert Petra Finke den Spagat zwischen Innovation und Mitnahme der Belegschaft.
Digitale Erreichbarkeit von Frontline-Mitarbeitenden
Mit über 30.000 Mitarbeitenden ohne festen Schreibtisch steht DEKRA vor einer zusätzlichen Herausforderung: Wie erreicht man operative Teams mit Change-Botschaften, wenn klassische Kanäle wie E-Mail und Intranet nicht funktionieren?
Laut einer McKinsey-Studie verbringen Mitarbeitende durchschnittlich eine Stunde pro Tag mit der Suche nach Informationen im Unternehmen. Bei Frontline-Mitarbeitenden potenziert sich dieses Problem, da der Zugang zu Unternehmenswissen oft nur über umständliche Wege möglich ist.
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Change-Management-Modelle für die Einführung von KI
Aus ihrer Erfahrung bei der Rhenus Gruppe und nun bei DEKRA hat Petra Finke einen pragmatischen Ansatz für die Einführung von KI entwickelt, der sich in drei Stufen gliedert:
Das Drei-Stufen-Modell nach Petra Finke
Stufe 1: Task-spezifische KI-Lösungen
"Der erste Schritt ist immer zu gucken, wo habe ich Tätigkeiten, die ich auf jeden Fall durch KI qualitativ verbessern kann?", erklärt Petra Finke. In dieser Phase geht es um klar abgegrenzte Anwendungsfälle, die schnelle Erfolge ("Quick Wins") ermöglichen.
Ein Beispiel bei DEKRA: Die Implementierung von KI-gestützten Chatbots, die Prüfingenieur:innen bei der Suche nach fahrzeugspezifischen Prüfschritten unterstützen. "Wenn es wirklich auch unangenehme Abläufe verbessert, beschleunigt – das kommt sofort an", so Finke.
Stufe 2: Workflow-Automatisierung mit KI-Systemen
In der zweiten Stufe werden komplette Arbeitsabläufe mit KI-Systemen automatisiert. Bei DEKRA umfasst dies beispielsweise die automatisierte Schadensberichtserstellung in Zusammenarbeit mit Versicherungen, bei der eine KI mit jahrzehntelangen Prüfberichten trainiert wurde und nun in kürzester Zeit Reparaturkosten ermitteln kann.
Stufe 3: Prozess-Transformation durch Künstliche Intelligenz
"Für mich ist dann die dritte Stufe wirklich ganz neu die Prozesse zu denken und zu transformieren", beschreibt Petra Finke die anspruchsvollste Phase der KI-Transformation. Hier geht es nicht mehr um die Digitalisierung bestehender Prozesse, sondern um die fundamentale Neugestaltung von Geschäftsmodellen durch künstliche Intelligenz.
Ein Beispiel hierfür ist "Predictive Maintenance", die vorausschauende Wartung auf Basis von Sensordaten, KI-Analysen und digitalen Zwillingen, die es ermöglicht, Ausfälle vorherzusagen, bevor sie eintreten.
Bewährte Strategien für erfolgreiches KI-Change-Management
1. Champions und Ambassadors aufbauen
"Botschafter aufbauen, das ist wichtig", betont Petra Finke im Gespräch mit Benedikt Brand. Das Champion-Modell basiert auf der Identifikation von Vorreitern in der Belegschaft, die frühzeitig mit KI-Systemen arbeiten und ihre Kolleg:innenüberzeugen.
"Am besten überzeugt jemand, der das auch nicht technologisch rüberbringt, wie ich das vielleicht dann tun würde, sondern der besser erklären kann, was das jetzt im Ablauf bringt, was das an Qualität bringt", erklärt die DEKRA-Vorständin den Vorteil dieses Peer-to-Peer-Ansatzes.
Bei DEKRA werden diese Champions gezielt in Pilotprojekte eingebunden und fungieren anschließend als Multiplikator:innen in ihren Teams.
2. Kontinuierliche und transparente Kommunikation
Ein zentrales Learning aus der DEKRA-Transformation: "Man kann nicht genug kommunizieren und wir müssen auch noch mehr tun", gibt Petra Finke offen zu. Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen zeigen, dass trotz intensiver Change-Kommunikation Unsicherheiten bestehen bleiben.
Die Kommunikationsstrategie sollte dabei mehrere Kanäle umfassen:
Town Halls und Führungskräfte-Briefings für die strategische Ebene
Team-Meetings und Workshops für die operative Umsetzung
Digitale Touchpoints wie Mitarbeiter-Apps für die kontinuierliche Information
3. Potenziale zeigen statt mit Angst arbeiten
"Ich finde es halt nie gut, mit Angst zu arbeiten. Also sagen, wenn du da jetzt nicht mitmachst, wird es nicht funktionieren, sondern mehr so die Potenziale zeigen", positioniert sich Petra Finke klar gegen Druck als Change-Instrument.
Stattdessen empfiehlt sie, den Business Case transparent zu machen: Die Kombination aus Fachkräftemangel, steigender Komplexität und wachsenden Kundenanforderungen macht den KI-Einsatz nicht zur Bedrohung, sondern zur Ermöglichung, um auch in Zukunft qualitativ hochwertige Dienstleistungen erbringen zu können.
4. Quick Wins identifizieren und skalieren
Der schnellste Weg zu Akzeptanz führt über spürbare Verbesserungen im Arbeitsalltag. Bei DEKRA waren dies beispielsweise:
KI-gestützte Wissensdatenbanken, die Prüfingenieur:innen in Sekunden mit relevanten Informationen versorgen
Automatisierte Schadensberichte, die 360.000 Arbeitsstunden pro Jahr einsparen
Chatbots für die Rechtsabteilung, die Vertragsvergleiche in Minuten statt Stunden ermöglichen
"Das sind so Sachen, das kommt sofort an. Und dann kann man schrittweise auch Verständnis schaffen und weitergehen", fasst Petra Finke die Bedeutung früher Erfolge zusammen.
Der entscheidende Faktor: Digitale Touchpoints für alle Mitarbeitenden
Eine der größten Erkenntnisse aus den dem DEKRA-Projekt: Selbst die beste Change-Strategie scheitert, wenn operative Mitarbeitende die Botschaften nicht erreichen.
"Einen simplen Zugang, mobilen Zugang, wie mit Flip, wo ich direkt meine News drin habe, wo ich Zugang zu den KI-Bots bekomme, wo ich aber auch einfach mit der KI in Interaktion treten kann", beschreibt Petra Finke die Anforderung an moderne Change-Kommunikation.
DEKRA hat sich für Flip als globale Intranet-Lösung entschieden, um alle 49.000 Mitarbeitenden – insbesondere die über 30.000 Frontline-Worker ohne Schreibtisch – in die digitale Transformation einzubinden.
"Wir haben z.B. ja mit euch auch einen Piloten gemacht, wo wir unsere Datenbank zu verschiedenen Fahrzeugtypen mit Prüfschritten usw. in das Tool gebracht haben. Und haben wir auch in diesem Piloten das mit wirklich unseren Experten getestet und sind hoch begeistert, wie einfach das Wissen, was wir selber gepflegt haben, da rein jetzt auch abrufbar ist", berichtet Petra Finke über die praktischen Ergebnisse.
Die Integration von KI-Funktionalität direkt in die Mitarbeiter-App ermöglicht es Prüfer:innen, mobil und in Echtzeit auf das gesamte Unternehmenswissen zuzugreifen – ohne Rechner hochfahren oder ins Büro fahren zu müssen.
Digital Trust: Sicherheit als Grundlage für KI-Akzeptanz
Ein besonderer Ansatz von DEKRA beim KI-Change-Management ist das Konzept des "Digital Trust". "Digital Trust setzt sich zusammen aus KI-Sicherheit, aber vor allen Dingen auch Cyber-Sicherheit und natürlich der funktionellen Sicherheit dieser Produkte", erklärt Petra Finke.
Für ein Prüfunternehmen, das seit 100 Jahren für Sicherheit und Vertrauen steht, ist dieser Aspekt essentiell: Die KI-Systeme, die im Unternehmen eingesetzt werden, müssen die gleichen Qualitätsstandards erfüllen wie die Produkte, die DEKRA für seine Kunden prüft und zertifiziert.
"Indem wir diese Produkte testen und auch wie sie entstanden sind, mit welchen Daten sie arbeiten zum Beispiel, entsteht ja auch wieder Vertrauen", so Finke. Dieser Ansatz – die eigene künstliche Intelligenz nach DEKRA-Standards zu prüfen und zu zertifizieren – schafft intern wie extern Glaubwürdigkeit.
Der deutsche Datenschatz: Wettbewerbsvorteil in der KI-Revolution
Eine zentrale These im Gespräch zwischen Benedikt Brand und Petra Finke: Deutschland war in der Vergangenheit kein Vorreiter in der KI-Entwicklung, sitzt aber auf einem enormen Datenschatz aus Jahrzehnten dokumentierter Expertise.
"Dieses Wissen, diese Datenbanken, diesen Datenschatz, auf dem wir sitzen, den richtig zu nutzen und zu hebeln in der Zukunft, das wird, glaube ich, der Game-Changer für Deutschland sein", prognostiziert Petra Finke.
Sie zitiert dabei ein bekanntes Bonmot aus der deutschen Wirtschaft: "Wenn DEKRA wüsste, was DEKRA weiß" – eine Anspielung auf die Tatsache, dass enormes Wissen in Organisationen existiert, aber nicht effizient zugänglich ist.
Genau hier liegt die Chance der KI-Revolution: Large Language Models (LLMs) ermöglichen erstmals auch Mitarbeitenden ohne Programmierkenntnisse, auf dieses implizite Wissen zuzugreifen und es für ihre tägliche Arbeit zu nutzen.
Leadership-Fähigkeiten für die KI-Transformation
Auf die Frage, welche Leadership-Fähigkeiten in der KI-Transformation entscheidend sind, nennt Petra Finke mehrere Aspekte:
Umgang mit Komplexität und Ambiguität: "Dieses Umgehen mit Komplexität, auch mit Ambiguität, das aushalten zu können", ist in einer Phase, in der sich KI-Technologien rasant weiterentwickeln und niemand die Entwicklung der nächsten Jahre präzise vorhersagen kann, essentiell.
Lernbereitschaft und Demut: "Zuhören, lernen bereit zu sein, was wir alle ja müssen", betont die DEKRA-Vorständin. Gerade in ihrer Rolle als CDO sei sie darauf angewiesen, kontinuierlich über die Organisation zu lernen und sich von Expertinnen und Experten helfen zu lassen.
Fähigkeit zur Übersetzung: Eine Kernkompetenz erfolgreicher Change-Leader ist die Fähigkeit, zwischen technologischer Expertise und operativer Anwendung zu übersetzen – "über den Teller und der Hand hinaus zu gucken und die Felder zusammenzubringen", wie Petra Finke es ausdrückt.
So erreichen Sie Ihre operativen Teams zu 80 % schneller und zuverlässiger
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Best Practices aus den KI-Projekten der DEKRA
Bottom-Up-Innovation durch Rhevo
Ein besonders erfolgreicher Ansatz in Petra Finkes Zeit bei der Rhenus Gruppe war das "Rhevo"-Programm – eine Bottom-Up-Innovationsbewegung, die 260 Mitarbeitende in 28 Ländern zu internen Unternehmerinnen und Unternehmern machte.
Die Idee: Nicht nur Top-Down KI-Projekte durchführen, sondern Mitarbeitende ermutigen, eigene KI-Anwendungsfälle zu identifizieren und in Pilotprojekten umzusetzen. Dieser Ansatz wird auch bei DEKRA fortgeführt, wo interdisziplinäre Teams aus verschiedenen Fachbereichen eigene KI-Bots entwickeln und dem Vorstand präsentieren.
Nachwuchsprogramm als Change-Katalysator
"Gestern in der Vorstandssitzung, wir haben immer so ein Nachwuchsprogramm und dann stellen sich halt die Teams vor mit Ideen und Prototypen", berichtet Petra Finke. Diese Programme erfüllen eine Doppelfunktion: Sie identifizieren innovative Anwendungsfälle und schaffen gleichzeitig eine neue Generation von Change-Agents im Unternehmen.
Die gemischten Teams aus IT, HR, Marketing, Operations und Fachbereichen entwickeln dabei konkrete Lösungen – vom Rechtsabteilungs-Bot für Vertragsvergleiche bis zu KI-gestützten Wissensdatenbanken.
Pilotprojekte mit klaren Erfolgskriterien
Bevor KI-Systeme unternehmensweit ausgerollt werden, durchlaufen sie bei DEKRA strukturierte Pilotphasen mit echten Anwenderinnen und Anwendern. "Haben wir auch in diesem Piloten das mit wirklich unseren Experten getestet und sind hoch begeistert", beschreibt Petra Finke beispielsweise den Test der Flip-Integration.
Diese Pilotphasen erfüllen mehrere Zwecke:
Technische Validierung der KI-Lösung
Sammlung von Anwenderfeedback
Identifikation von Optimierungsbedarf
Gewinnung von Champions für den Roll-out
Ausblick: Die Zukunft des KI-Change-Managements
ie KI-Revolution hat gerade erst begonnen. "Heute vor drei Jahren war das Thema ChatGPT ganz oben und jetzt ist Agentic AI ganz oben", illustriert Petra Finke die Geschwindigkeit des technologischen Wandels.
Für Change Management bedeutet dies: Es wird nicht mehr um einzelne, abgeschlossene Transformationsprojekte gehen, sondern um die Etablierung einer kontinuierlichen Lern- und Anpassungskultur.
"Wir müssen auch sagen, wir müssen glaube ich trainieren im Umgang mit solchen Systemen und eben auch Vertrauen aufbauen, dass wir gemeinsam auch ethisch und Mitarbeiter mitnehmen, diese nächsten Schritte machen, wo wir auch heute alle nicht wissen, wo genau die hingehen", formuliert Petra Finke den Anspruch an zukünftiges KI-Change-Management.
Die Erfahrungen von DEKRA zeigen: Technologie allein macht keine erfolgreiche KI-Transformation. Der entscheidende Faktor ist und bleibt der Mensch – seine Ängste, seine Bedürfnisse, seine Expertise.
Erfolgreiches KI-Change-Management erfordert:
Transparente Kommunikation über alle Hierarchieebenen hinweg
Champions und Ambassadors als Multiplikatoren
Quick Wins zur Demonstration des Nutzens
Digitale Touchpoints für alle Mitarbeitenden – besonders Frontline-Worker
Respekt vor bestehendem Wissen und Expertise
Potenzialorientierung statt Angstmotivation
Strukturierte Pilotprojekte mit echten Anwendern
Unternehmen, die diese Prinzipien beherzigen, können aus der KI-Revolution gestärkt hervorgehen – mit einer motivierten Belegschaft, die Veränderung nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreift.
Quellen: Gartner Trends für 2026, Expleo AI Pulse Studie.
Möchten Sie erfahren, wie Flip auch Ihre operative Belegschaft in die KI-Transformation einbindet?
Dr. Nirmalarajah Asokan
Dr. Nirmalarajah Asokan ist Senior Content Marketing Manager bei Flip und schreibt zu Themen wie HR-Digitalisierung, Mitarbeiter-Apps, interne Kommunikation und KI-Transformation. Mit akademischem Hintergrund und jahrelanger Erfahrung im Content Marketing sowie SEO spezialisiert er sich auf praxisnahe und datengetriebene Inhalte rund um Employee Experience, Change Management und digitale Kollaboration für moderne Unternehmen.
Benedikt Brand
Vor der Gründung von Flip arbeitete Benedikt Brand als Projektmanager bei der Porsche AG. Er erkannte eine Marktlücke für ein standardisiertes, benutzerfreundliches Tool, das die interne Kommunikation mit allen Mitarbeitenden ermöglicht – auch mit denjenigen, die nicht am Schreibtisch arbeiten. Ihn leitete ein Ziel: eine mitarbeiterorientierte Lösung zu schaffen, die Mitarbeitende digital auf dem Laufenden hält, sie untereinander und mit dem Unternehmen vernetzt und die sowohl schnell zu erlernen als auch einfach zu bedienen ist.
Petra Finke
Petra Finke ist Chief Digitalization Officer bei DEKRA und treibt dort seit 2023 die digitale Transformation des internationalen Prüf- und Zertifizierungsunternehmens voran. Zuvor verantwortete die Wirtschaftsinformatikerin über 20 Jahre lang bei der Rhenus Gruppe die globale IT und Digitalisierung und baute ein verteiltes, cloudbasiertes digitales Ökosystem für komplexe Logistikprozesse auf. Ihre Mission ist es, mithilfe moderner Technologien wie KI und Remote Services zukunftsfähige, sichere digitale Services zu gestalten, die Kund:innen wie Mitarbeitenden gleichermaßen Vertrauen in eine zunehmend vernetzte Welt geben.
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