Episode 1
KI-Transformation & Digital Trust: Wie Führungskräfte Akzeptanz schaffen
Mit Petra Finke, CDO & Mitglied des Vorstands, DEKRA
Wie gelingt die KI-Transformation in einer Expertenorganisation mit über 30.000 Mitarbeitenden? In dieser Folge von „Wo Wandel wirkt“ spricht Host Benedikt Brand mit Petra Finke (CDO DEKRA) über das Thema Digital Trust und die Frage, wie Führungskräfte in Zeiten von massivem Wandel Vertrauen schaffen.
Das erwartet dich in diesem Video:
Wissensschatz hebeln: Wie die DEKRA Daten der letzten Jahrzehnte nutzt, um KI-Systeme zu trainieren.
Mitarbeiter-Akzeptanz: Strategien für den Umgang mit Veränderung und dem Wunsch nach Sicherheit.
Digital Touchpoints: Wie Frontline-Worker ohne Schreibtisch Zugang zu KI-Lösungen erhalten.
Zukunft der Arbeit: Warum Domänenwissen im Zeitalter von LLMs wichtiger wird denn je.
Bene: Herzlich willkommen, Petra.
Petra: Danke.
Bene: Ich freue mich sehr, dass du bei uns bist. Du treibst die digitale Transformation im Umfeld voran. Das Genauigkeit, Verantwortung, Sicherheit steht. Ich glaube, mit DEKRA kaum eine Firma, die sich mehr dafür auszeichnet, wie dadurch. Gleichzeitig steigt weltweit die Skepsis. Wenn man das Edelman Trust Barometer anguckt, 42 % aller Deutschen lehnen inzwischen KI ab. Können wir diesen Mitarbeiterinnen, Mitarbeiterinnen, Menschen in Deutschland, wie können wir den Sicherheit geben? Und wie moderierst du diesen Konflikt zwischen Geschwindigkeit und Transformation? Zu sagen, hey, in KI liegt diese Chance, die müssen wir nutzen. Und gleichzeitig nach diesem Bedürfnis und diesem innerlich-menschlichen Drang eigentlich nach Sicherheit und nach... Ja, nach Veränderung vielleicht nicht schnell, sondern wie handelst du das?
Petra: Erst mal, wenn Veränderungen in so einer Geschwindigkeit kommen, wie sie jetzt auch wirklich für jeden im Privatleben oder im Beruf ganz offensichtlich sind, vor allen Dingen in den letzten Jahren verursacht das Unsicherheit. Und ja, Unsicherheit kann eigentlich nur indem man Sicherheit vermittelt, kann auch wieder Vertrauen entstehen. Und ja, wie du schon sagtest, DEKRA steht für Vertrauen und für Sicherheit. Schon seit über 100 Jahren werden dieses Jahr unser Jubiläum toll. Auch für mich nochmal, weil ich ja relativ neu im Vorstand der DEKRA bin, nochmal die 100-jährige Geschichte zu sehen, der Sicherheit, in welchen Bereichen wir da aktiv sind und was wir dadurch auch für einen Vertrauen in Produkte, in Fahrzeuge, in Anlagen aufbauen. Das hat mich schon enorm begeistert. Also dieses Fundament mit Expertise, Sicherheit zu garantieren und auch zu überprüfen, das baut Vertrauen auf. Und das haben wir jetzt auch übertragen in die digitale Welt, in die neue Welt. Wir nennen das Digital Trust. So, da geht es dann darum für Produkte, für überall ist eigentlich digital, also digitales Drinnen und mehr und mehr auch KI. Und indem wir diese Produkte testen und auch wie sie entstanden sind, mit welchen Daten sie arbeiten zum Beispiel, entsteht ja auch wieder Vertrauen. Digital Trust setzt sich zusammen aus KI-Sicherheit, aber vor allen Dingen auch Cyber-Sicherheit und natürlich der funktionellen Sicherheit dieser Produkte. Und das baut Vertrauen in die Produkte auf und dann nimmt die Skepsis ab. Also ich denke, wir spielen da schon als eine Organisation eine große Rolle.
Bene: Quasi die Idee von euch, dann eine DEKRA geprüfte KI, eine DEKRA geprüfte Lösung, die quasi euren Stempel darauf hat und damit auch Sicherheit vermittelt und Vertrauen vermittelt. Ist das der Ansatzpunkt?
Petra: Das ist der Ansatzpunkt und wir sind auch schon früh gestartet. Auch bevor das Thema AI-Act jetzt auch wirklich konkret wurde, und da geht es um natürlich auch Normen, die derzeit auch entstehen und weltweit sind, ist das auch, sag ich mal, ein großer Strauß von Normen. Und da braucht man auch jemanden, der sich auskennt und der dann auch eben den Unternehmen hilft, diese Normen also umzusetzen. Und auf der anderen Seite auch wirklich gerade bei Hochrisiko-Bereichen dafür zu sorgen, dass die auch im Konform sind.
Bene: Wie viele Widerstände hast du erlebt? Man macht selbst als DEKRA ja auch eine Transformation durch. Du hast davor bei RENOS lange das Unternehmen transformiert. Was sind so die typischen Widerstände? Wenn ich jetzt eine Führungskraft bin in einem deutschen Unternehmen, wie kann ich damit umgehen, wie kriege ich diese Widerstände aufgelöst? Wie mache ich das?
Petra: Ich glaube, in Zeiten von Umbrüchen, wo sich viel verändert, kommt Unsicherheit auf. Und das führt natürlich auch ganz natürlich bei jedem Menschen erstmal zu so einem Art Widerstand. Ich möchte noch nicht verändern. Und bei der DEKRA ist eine Expertenorganisation. Das heißt, alles, was wir tun, baut auf Wissen und auf Expertise auf. Also so ein Prüfingenieur, wenn der auch aus dem Masterstudium kommt, dann macht er nochmal eine mehrere Ausbildung durch, sozusagen bei uns, bei der Trainings. Und da ist enormes Wissen drin, was wir auch in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben. Und dieses Wissen fließt plötzlich, damit trainieren wir KI-Systeme. Das heißt, da ist auch eine Form von Verlustangst oder Kontrollverlust. Und da geht es eigentlich darum zu erklären, wie wichtig dieses Wissen ist, um eben dieses System zu trainieren. Und auf der anderen Seite, dass sie die Prüfer unterstützen, bessere Qualität auch dann zu liefern. Auf der anderen Seite haben wir, glaube ich, gerade auch in Deutschland in vielen Bereichen Fachkräftemangel. Und wir stellen immer noch ein, also vielleicht auch gegen den Trend hier in Stuttgart. Aber damit lässt sich es alleine nicht auffangen, sondern wir brauchen halt solche Systeme. Und wenn man das erklärt und eben unsere Experten mitnimmt bei der Entwicklung, weil die wissen letztendlich, was sie brauchen und auch welches Wissen relevant ist dafür, ich glaube, dann kann es funktionieren. Aber ich glaube, insgesamt sind Widerstände zu Beginn natürlich menschlich. Und die muss man auffangen, aber auch nicht komplett unterdrücken und sagen, das gibt es nicht. Es ist alles Blödsinn, sondern ernst nehmen und Respekt auch davor zeigen vor diesem Wissen. Was man in IT, in Digitalisierung, in KI gibt, dass das erstmal eine Hürde ist, die es zu überwinden gilt. Gerade in diesem Beispiel, ich glaube, das Prüfen ist bei euch, was glaube ich ein super Beispiel ist. Ich glaube, was viele nicht wissen, ich glaube, ihr macht ja auch mehr Prüfungen inzwischen als der TÜV an Fahrzeugprüfungen. So wurde mir das mal von...
Petra: Wir sind die größte KFZ-Prüforganisation weltweit. Aber wir machen eben nicht nur KFZ-Prüfungen, sondern auch wir prüfen Industrieanlagen, Windräder, klassisch Aufzüge kennt auch jeder den Stempel, den man sieht, aber eben auch digitale Produkte testen, Audits. Das Spektrum ist weit und hoch technologisch. Das heißt, das ist Expertenwissen, was wir in unserer Organisation haben, um in der Lage zu sein, die verschiedenen Fahrzeugtypen zu prüfen, zum Beispiel. Und da muss man schon sehr viel auch Ingenieurswissen haben. Wir sind eine Experten-Ingenieursorganisation.
Bene: Es wird prognostiziert, dass bis 2030 13,4 Millionen Menschen, also gerade von der Boomer-Generation in Ruhestand gehen werden. Das ist 30 Prozent des heutigen Arbeitsmarktes eigentlich, geht bis 2030 in Ruhestand. Und jetzt hast du beschrieben, dass ihr Tools baut, die dem Prüfer helfen, die dem helfen und den Prüfer in der Fahrzeugprüfung in verschiedenen Prozessen unterstützen. Wie schaffe ich das, einem Prüfer zu vermitteln, dass er diese Werkzeuge braucht, in der Zukunft effizienter zu sein und es nicht dafür da ist, ihn jetzt heute zu ersetzen? Also wie kriege ich ihn motiviert, eigentlich Teil der Lösung der Zukunft zu sein und nicht zu sagen, nicht wieder schnell aufzubauen, dass du morgen keinen Job mehr hast, wenn du deine Sachen hier eingibst, quasi, dann Wissen teilst und mit der Lösung geteilt. Und vor allem, wie schaffe ich es, diesen Anspruch an eine bessere Lösung zu schaffen und ihn zu einem Mittäter zu machen und das zu einem Erfolg zu führen und nicht im Endeffekt durch Effizienz, durch diese Themen, wo die auch alle Mitarbeiter wissen, dass das auf uns zukommt, dass wir effizienter werden müssen. Wie schaffe ich diese Motivation auf der anderen Seite zu wecken? Was sind Schlüsselbegriffe? Wie macht ihr das in der Kommunikation? Wie geht ihr damit um?
Petra: Also viele stehen der Technologie offen gegenüber, weil sie sind technologisch getrieben auch. Und insofern, die Dinge, die wir prüfen, wie Fahrzeuge, sind mehr und mehr Software, die fallen, Computer auf Rädern. Das heißt, es sind sowieso mit diesen Technologien und auch die Technologien, mit denen wir prüfen, mit denen wir Abgasprüfungen machen, sondern das ist ja alles technologisch. Also generell ist sowieso eine Offenheit da, würde ich sagen, vielleicht mehr als in anderen Unternehmen. Und dann gibt es natürlich auch wieder welche, die sind Vorreiter und andere, die sind etwas skeptischer, um da die Vorreiter mitzunehmen, sozusagen auch, wenn das Ambassadors oder Champions, die von Anfang an mitzunehmen, auch andere mitzuüberzeugen, weil am besten überzeugt jemand, der das auch nicht technologisch rüberbringt, wie ich das vielleicht dann tun würde, sondern der besser erklären kann, was das jetzt im Ablauf bringt, was das an Qualität bringt, wie es eigentlich in der täglichen Arbeit unterstützt und das können denen, die es selber nutzen, am besten. Also ich würde sagen, so Botschafter aufbauen, das ist wichtig. Wir haben aber auch gemerkt, man kann nicht genug kommunizieren und wir müssen auch noch mehr tun. Also machen regelmäßig Umfragen und da kam schon dabei raus, dass immer noch eine Unsicherheit da ist. Und selbst, also wir können alle ja nicht vorher sagen, was in den nächsten Jahren genau kommen wird. Wir sehen ja, wie schnell auch sich KI-Technologie entwickelt. Heute vor drei Jahren war das Thema Chat-GPT ganz oben und jetzt ist Agentic AI ganz oben. Und diese Themen, also wir müssen auch sagen, wir müssen glaube ich trainieren im Umgang mit solchen Systemen und eben auch Vertrauen aufbauen, dass wir gemeinsam auch ethisch und Mitarbeiter mitnehmen, diese nächsten Schritte machen, wo wir auch heute alle nicht wissen, wo genau die hingehen. Wir wissen nur, wir wollen sie nutzen, um unsere Dienstleistung besser, sicherer und kundenorientierter zu machen und natürlich auch mitarbeiterorientierter. Das ist das, was man glaubwürdig auch dann umsetzen muss, dann wird es funktionieren. Aber ist es eine dauerhafte Herausforderung? Oder eine Generationsfrage, eine Kulturfrage? Wir sind ja ein globales Unternehmen, es ist ganz unterschiedlich in den Ländern, wie mit diesen Dingen umgegangen wird. Man kann da nicht ein Patentrezept auf alles übertragen.
Bene: Ich darf gerade so fragen, wo siehst du die Schnellste Adaption? Weil DEKRA ist ja in jedem Land fast aktiv. Wo hast du die Schnellste Adaption bei euch gesehen?
Petra: Wenn es wirklich auch unangenehme Abläufe verbessert, beschleunigt. Früher musste man sich in irgendeiner Datenbank oder Bücher wälzen, wenn es um bestimmte Fahrzeugtypen geht, bestimmte Prüfthemen, weil die Produktvielfalt ist riesig. Also auch Prüfer muss sich vorbereiten auf seine einzelnen Projekte und Aufgaben. Und wenn man da auch KI gestützt, mit den Tätigkeiten quasi diese Informationen zur Verfügung stellen, durch KI-Agenten, wenn man auch einen Piloten zusammengemacht, dann sind das eben schnelle Lösungen, wo man zeigen kann, das hilft, das nimmt dir nichts weg. Es ist dein Wissen, es sind da in diese KI-Lösung, sind ja dann wirklich Wissen der letzten Jahre drin. Oder ansetzen bei der Ausbildung zum Beispiel, das zu trainieren mit unseren Prüfberichten, eine KI und die dann auch bei der Ausbildung hilft. Das sind so Sachen, das kommt sofort an. Und dann kann man schrittweise auch Verständnis schaffen und weitergehen.
Bene: Also wenn ich, das ist eine kurze Zusammenfassung, Punkt 1, ich glaube, Botschaft schaffen, Role Models schaffen, die aus dem Feld kommen, die die gleichen Rollen haben und glaube ich aufzeigen, wo die Vorteile liegen. Das zweite glaube ich, viel kommunizieren, wie ich es verstanden habe. Und der dritte Punkt ist glaube ich auch darzustellen, dass der Aufwand von morgen oder die Aufgabe von morgen eigentlich nur noch mit KI stemmbar ist oder mit den Technologien von morgen stemmbar ist, oder?
Petra: Das ist so, aber ich finde es halt nie gut mit Angst zu arbeiten. Also sagen, wenn du da jetzt nicht mit machst, wird es nicht funktionieren, sondern mehr so die Potenziale zeigen. Aber natürlich ist es so, wir können nicht sagen, wir bleiben stehen, es geht nicht und es gibt auch bestimmte Bereiche unserer Dienstleistungen, also die werden irgendwann komplett KI gesteuert sein. Dann machen wir uns nichts vor und wenn wir uns dieses, was ich schon sagte, wirklich diese hervorragende Expertise beim Bau solcher Lösungen einbringen, dann machen wir was falsch und dann sind wir in bestimmten Bereichen auch nicht mehr relevant. Und um relevant zu bleiben, müssen wir glaube ich diese hervorragende Expertise eben mit digitalen System unterstützen, aber auch KI-Systeme damit trainieren. Ich weiß nicht, ob ich noch ein paar Beispiele haben oder...
Bene: Super gerne, wenn du Beispiele hast, gerne jederzeit.
Petra: Ja, es geht zum Beispiel in Zusammenarbeit auch mit Versicherungen um Schadensberichte. Und wir haben halt wirklich hochqualitative Daten von Schadensberichten, von Prüfberichten aus den letzten Jahrzehnten und wir haben eine KI damit trainiert und damit statistische Algorithmen unserer Versicherungskollegen, die dann Schaden bewerten, Reparaturkosten ermitteln, komplett abgelöst in kurzer Zeit. Das zeigt, dass unsere Daten sehr gut sind, also hochqualitativ und dass man eingebettet in einen guten Workflow auch für unsere Kunden, also integrierte Prozesse abbilden kann. Und das denke ich ist ein Mehrwert für unsere Kunden, aber natürlich auch erhöht das die Kundenbindung und zeigt auch unser Mitarbeitern, wie gut das funktionieren kann. Und die KI ist auch so gesteuert, dass da nur in Fällen, wo wir sagen, wir müssen wirklich persönlich darauf gucken, dann eben auch wir individuell dann einschreiten. Und ich glaube, dann haben wir auch die richtige Balance zwischen Technologie, die auch dauernd mit dem Wissen gepflegt wird, als aber auch vor Ort zu sein, da wo es nötig ist, wo die Technologie das nicht abdecken kann.
Bene: Extrem spannend.
Petra: Ja, da gibt es ja so viele Beispiele.
Bene: Also wenn ich das richtig verstehe, wie ihr seht, KI ganz klar als Wettbewerbsfaktor für euch für die Zukunft, oder?
Petra: Ja, KI mit unserem Wissen trainiert. Also die Kombination von Wissen und KI, das ist das, was uns, glaube ich, da sehr, sehr weiter bringt. Ich glaube auch, wenn wir auf Deutschland gucken, wir waren in der Vergangenheit nicht der Vorreiter in KI. Wir wollen da dahin, wir wollen das werden. Es gibt diverse Projekte von Gigafactories bis, was weiß ich, bis Unternehmen wie ihr, die sehr stark den Status Quo challengen und das vorantreiben. Ich glaube, aber du hast vollkommen recht, der Schatz, den wir eigentlich haben, ist das Wissen der letzten 100 Jahre, dass wir mehr oder weniger gut dokumentiert haben, aber oftmals gar nicht so schlecht, wenn man sich den weltweiten Vergleich anguckt. Und ich glaube, dieses Wissen, diese Datenbanken, diesen Datenschatz, auf dem wir sitzen, den richtig zu nutzen und zu hebeln in der Zukunft, das wird, glaube ich, der Game-Changer für Deutschland sein.
Petra: Absolut. Und durch solche Projekte wird auch allen im Unternehmen deutlich, und unter anderem müssen wir auch die IT mitnehmen, die auch Kontrolle abgibt. Auch in der Softwareentwicklung, aber auch KI lernen lässt und eben nicht selber das in festen Algorithmen implementieren muss. Also da müssen ja auch alle Seiten lernen, nicht nur die dies anwenden, sondern auch die, die solche Lösungen bauen. Das muss schneller gehen. Und da müssen wir auch unsere Arbeitsweisen in der IT verändern. Aber wo warst du noch mal gewesen mit deiner Frage?
Bene: Wettbewerbsfaktor. Aber ich glaube, du hast sie super geantwortet.
Petra: Okay. Ich habe auch noch so ein paar Sachen hier mit, also kann ich jetzt frei reden. Wo es geht auch immer für Kunden.
Bene: Wo hast du bekommen? Freiste Kleine. Gut, wo waren wir denn? Also du gehst gar nicht danach vor, ne?
Petra: Ja, ich hange nämlich so. Weil wir haben mal diese intern und externen Perspektive, und die externen Perspektive ist ja dieses Digital Trust, aber hatten wir schon gehabt, glaube ich, auch.
Bene: Ja, das haben wir schon reingestiegen. Ich habe mir schon gesagt, vertrauenswürdige KI, na na na...
Petra: Ja, ich habe was sonst im Bereich Prediction auf jeden Fall.
Bene: Perfekt. Ich frage dich gleich mal nach den Konnexen-Analogen-Prozessen, wo sitzt KI, schnell Erfolge zu beziehen, und dann kannst du ja auf die Projekte eingehen, oder? Ich glaube, das klare Ziel mit KI-Digitalisierung, diese ganzen Sachen, ist ja immer, Analoge Prozesse besser zu machen, zu digitalisieren, zu vereinfachen, zu verschnellern. Wenn du die KI-Serie jetzt ansetzen musst, um es in schnellstmöglichen Erfolge beizuführen. Wo führst du denn an, und wie schaffst du es damit, Kunden, Skeptiker etc. auch zu überzeugen, da auf den Weg mitzugehen? Hast du vielleicht ein, zwei Beispiele, die das anfassbar machen?
Petra: Du sagst, analoge Prozesse oder bisherige Prozesse sozusagen mit KI abzubilden, also es ist natürlich ein Fehler, wenn man das eins zu eins macht. Also muss man auch die Prozesse neu denken. Aber das ist für mich sozusagen die dritte Stufe, die Transformativ, ganz neue Dienstleistungen zu entwickeln. Aber der erste Schritt ist immer zu gucken, wo habe ich Tätigkeiten, die ich auf jeden Fall durch KI qualitativ verbessern kann? Natürlich auch Produktivität erhöhen kann. Wir haben vorhin von Fachkräftemangel gesprochen, also da, wo es einfach einleuchtet. Ich kann meine Kunden besser und schneller bedienen, wenn ich KI unterstützt bin, und ich kann die Qualität erhöhen. Aber es geht auch um neue Dienstleistungen für den Kunden, also Predictive Maintenance ist ein so ein Thema. Ich kann natürlich mit Sensorik, mit IoT, Big Data Plattformen und KI vorhersagen, bevor eigentlich eine Reparatur nötig wird oder bevor eine Wartung nötig wird, was eigentlich passiert. Oder wir setzen KI ein, um zum Beispiel die Lebensdauer von Batterien, von Autobatterien oder sämtlicher Batterien vorhersagen zu können. Haben da gerade auch noch in ein Start-up investiert, total interessante Modelle. Und das sind so Themen, wo wir sehr konkret und schnell werden können. Ja, und dann habe ich ja vorhin sehr oft auch schon über unser Wissen, wo wir mit die KI trainieren gesprochen, das Beispiel gegeben von den Schadensberichten, wo wir auch ein Start-up zu uns gehört, Spirit. Aber was wir auch machen, ist, unsere Kunden zu helfen, zum Beispiel wir haben viele Kunden, die global ihre Produkte in verschiedenen Ländern einsetzen und es überall schon verschiedene Normen und auch rechtliche Rahmenbedingungen gibt. Und da auch Kunden mit einem Chatbot zu unterstützen, so was sagt so, ich habe das und das Produkt. Welche Normen gelten denn wo, was habt ihr für mich schon zertifiziert und wo muss ich zum Beispiel eigentlich was tun. Und das sind so Sachen, das sind so Aufgaben spezifische Lösungen, die kannst du halt relativ schnell herstellen und auch relativ schnell einführen. Und dann geht es zur nächsten Stufe, ganze Workflows mit KI zu automatisieren. Und für mich ist dann die dritte Stufe wirklich ganz neu die Prozesse komplett neu zu denken und zu transformieren. Und die ersten beiden Stufen sind halt wichtig, um Offenheit zu schaffen und zu zeigen, dass es funktioniert. Dann entstehen plötzlich auch Ideen, auf die jetzt halt mal die IT nicht kommt, sondern auf die dann unsere Fachexperten von selber kommen: „Dann können wir doch den Prozess mal total anders denken.“
Bene: Du willst den Prozess total anders denken. Ich glaube, das wird das spannende. Aber du kannst nicht hinkommen und sagen, so KI kann das und das und das, jetzt denkt mal den Prozess anders.
Petra: Sondern anfangen mit diesen Task spezifischen Workflows und parallel mit Methoden wie Design Thinking ganz anders nochmal ran zu gehen und Out of the Box zu denken und zu gucken, was ist in fünf Jahren, wie sieht das aus? Und das spielt natürlich Digital Twins eine Rolle und natürlich auch Daten, die uns zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel auch Fahrzeuge sind Software Defined. Da ist ein enormes Datenvolumen, was wir natürlich auch nutzen müssen, um wiederum die Sicherheit der Fahrzeuge zu verbessern.
Bene: Das ist auch die riesen Chance, ne? Wir haben so viele Daten und diese Datenmengen waren davor nicht bewältigbar oder zumindest für Menschen nicht analysierbar. Und ich glaube, das ist das richtig coole an LLMs etc., wo wir diese KI-Revolution, durch die wir gerade laufen, dass diese Datenmengen auch bewältigbar sind, auch für Menschen, die jetzt nicht super tief in der Technik drin sind, das Wissen zu leveragen aus diesen Datenbanken. Und das ist das, was mich extrem motiviert und was ich super spannend finde.
Petra: Aber man sieht immer mehr, wir haben einfach wirklich angefangen, diese kleinen Bots zu bauen und da sieht man halt einfach, was möglich ist. Und jetzt geht man mit anderen Augen durch die Welt und guckt halt, da könnte man was machen und hier könnte man was machen. Und da steckt, denke ich, an und so kommt dann so eine Lawine ins Rollen und das ist das Spannende. Aber wie gesagt, ich denke gerade für DEKRA so spannend, weil wir so viel dieses Expertenwissen haben und dieses auch noch dokumentiert haben. Und das ist schon ein enormer Schatz, den wir da heben können und auch heben. Und das Spannende, diesen Schatz zu heben, früher musste man, um diese Datenmengen zu bewältigen, Softwareentwickler sein und mit Python oder komplexen Code schreiben, um Sachen da auswerten zu können. Und diese Large Language Models von heute ermöglichen schon Datenauswertungen, Datenverständnis, auch für Mitarbeiter, die eigentlich nicht aus dieser Welt kommen.
Bene: Und das finde ich so eine coole, motivierende Sache.
Petra: Ja, es ist so simpel. Und das muss ja auch so sein – es muss simpel sein, aber es muss sicher sein. Wir arbeiten ja auch mit Kundendaten, mit Produktdaten, also wirklich auch hochvertraulichen Daten. Und deshalb müssen wir natürlich auch bei unseren Modellen verschiedene Varianten haben, also Hybrid Cloud, On-Prem. Wir müssen erklären können, was mit den Daten geschieht. Wir müssen die Datenqualität sicherstellen können. Also es ist noch einiges erforderlich auf Plattformseite, so dass eigentlich dann am Ende wirklich diese Champions und auch der Endanwender selber mit den Produkten arbeiten kann, selber auch weiterentwickeln kann, ohne dass es dafür immer IT braucht, aber dass er sich darauf verlassen kann, dass es sicher ist, dass unsere Governance-Regeln und Compliance-Regeln erfüllt sind, ohne dass er X-Schritte durchlaufen muss, um das alles zu überprüfen, sondern das muss die Plattform sozusagen mitbringen. Und dafür muss die IT sorgen mit unseren Partnern zusammen. Aber es kommt immer mehr in Richtung Self-Service, Citizen Development. Und deswegen müssen wir auch die IT mitnehmen, die das Steuer ganz anders gesehen hat. Also es ist eben nicht nur auf der Seite der Anwender, sondern auch auf der Seite der IT, da müssen sich alle bewegen.
Bene: Jetzt öffnen die LLMs den Zugang zu technologischen KI auch für Nicht-Software-Entwickler. Und gleichzeitig findet natürlich eine andere Revolution statt auch für die Mitarbeiter auf der Fläche, die im Einsatz im Feld etc. wollen auch digitalisiert werden. Und welche Rolle spielen Digital Touchpoints, wenn du dir die KI-Strategie anguckst – über 30.000 Mitarbeiter ohne Schreibtisch. Wie nehmt ihr die mit, wie geht ihr das an, was sind eure Digital Touchpoints?
Petra: Also ganz einfach hatten wir erst mal angefangen und haben so einen DEKRA-eigenen GPT-Hub aufgebaut. Und dabei eben auch festgestellt, dass der Zugang dazu für mobile Arbeiter, die unterwegs sind, also Frontline-Worker, gar nicht so einfach ist. Also überhaupt zu wissen, dass es das gibt. Und deshalb arbeiten wir mit euch zusammen. Also einen simplen mobilen Zugang, wie mit Flip, wo ich direkt meine News drin habe, wo ich Zugang zu den KI-Bots bekomme, wo ich aber auch einfach mit der KI in Interaktion treten kann. Wir haben z.B. ja mit euch auch einen Piloten gemacht, wo wir unsere Datenbank zu verschiedenen Fahrzeugtypen mit Prüfschritten usw. in das Tool gebracht haben. Und wir haben das in diesem Piloten mit unseren Experten getestet und sind hoch begeistert, wie einfach das Wissen, was wir selber gepflegt haben, da rein jetzt auch abrufbar ist, ohne dass ich vorher ein Rechner hochfahren muss. Sondern das kann ich halt eben sozusagen, wenn ich mobil unterwegs bin, wirklich passgenau zu meiner Tätigkeit nutzen. Das sind für mich die Touchpoints. Und da gibt es natürlich verschiedene Kulturen und Arbeitsplatztypen, ob ich im Backoffice arbeite oder Frontline-Worker bin. Da probieren wir gerade aus. Wir müssen noch mehr machen, weil es geht ja nicht nur darum, passgenaue KI-Bots oder KI-Lösungen zu haben, sondern die an der Stelle sichtbar und nutzbar zu machen, wo es auch in den Arbeitsablauf passt.
Bene: Super spannend. Und im Endeffekt eigentlich ist das die Zusammenfassung. Ich habe das von einem anderen Unternehmen mal gehört, aber den Satz gibt es in jedem Unternehmen: „Wenn der Bosch wüsste, was der Bosch weiß“. Das geht ja sehr in die Richtung: „Wenn DEKRA wüsste, was DEKRA weiß“. Ich glaube, das ist ein Verfügbarmachen alleine. Das ist etwas, wo man alle überzeugen kann: „Ich komme schneller an unser eigenes Wissen heran.“ Und das ist ein Riesenschatz auch für die Mitarbeiterweiterentwicklung. Ja, das ist auch, glaube ich, eine McKinsey-Studie, dass ein Mitarbeiter eine Stunde pro Tag damit verbringt, Informationen zu suchen: „Wo stand das nochmal, wo war das nochmal?“. Und das wird hier natürlich komplett revolutioniert. Also ein Touchpoint, den ich fragen kann und der mir das ausspuckt, was ich wissen muss, in dem Kontext, den ich jetzt brauche. Und ich glaube, einem Mitarbeiter nahezulegen, dass das ein riesen Vorteil für ihn ist, ist klar. Durch das Unternehmen zu rennen und Informationen zu suchen, macht niemanden Spaß.
Petra: Ganz gestern in der Vorstandssitzung hatten wir ein Nachwuchsprogramm und dann stellen sich die Teams vor mit Ideen und Prototypen. Und das ist ganz interessant, da sind Leute aus allen Fachbereichen drin – IT, HR, Marketing, Ingenieure. Und die haben genau solche Bots gestern uns vorgestellt und auch schon realisiert. Zum Beispiel Rechtsabteilung, Verträge vergleichen, Fragen zu stellen, wo man früher eine Mail geschrieben hat. Und da findet man jetzt viel schneller die Informationen. Und klar, am Ende, wenn doch noch ein Experte benötigt wird, dann zu sagen: „Das ist die Telefonnummer, da kannst du anrufen, der weiß genau Bescheid.“ Alleine auch das zu verbinden, macht viel aus. Und gestern haben wir viele Beispiele gesehen, die sehr schnell aufgestellt wurden durch die Kombination von HR-Leuten und Fachleuten.
Bene: Du leitest eine große Organisation gerade, trägst viel Verantwortung. Was für Leadership-Fähigkeiten musstest du lernen, die du als reiner Techie in deiner Vergangenheit vielleicht noch nicht gebraucht hast? Was ist so eins deiner größten Learnings?
Petra: Also ich war nie ein „reiner Techie“, klar, ich habe selbst programmiert, aber ich komme auch aus der Beratung. Es hatte immer mit Change zu tun, mit Veränderungen. Also ich glaube, dieses Umgehen mit Komplexität, auch mit Ambiguität, das aushalten zu können, aber auch über den Tellerrand hinaus zu gucken und die Felder zusammenzubringen – das sind Fähigkeiten, die habe ich früher gelernt und die nutzen mir jetzt sehr stark. Natürlich diese große Verantwortung und ein hoher Druck, das kann ich nicht bestreiten. Man muss eine gewisse Resilienz entwickeln. Aber auch zuhören und lernbereit zu sein. Ich lerne auch immer noch viel über die DEKRA-Organisation. Und das auch zugeben und ein Team um sich herum haben, mit dem man das zusammen machen kann – sowohl das Vorstandsteam als auch mein Team im CDO-Office. Fähige Köpfe, die mir helfen, weiter zu lernen. Übersetzen zwischen Technik und Anwendung, das ist meine Aufgabe.
Bene: Mega. Jetzt kommen wir auf eine Revolution des Arbeitsmarktes zu. Laut einer Bitkom-Umfrage stellen nur 5 Prozent der Unternehmen gezielt Fachkräfte mit KI ein. Ich würde die These aufstellen, dass man die gar nicht so leicht einstellen kann, weil wer hat schon 10 Jahre Erfahrung mit Large Language Models, wenn es die Technologie erst seit kurzem so richtig gibt. Wie findet man Talente für diese Jobs? Muss ich mir die selber ausbilden? Stehen wir vor einer Lernrevolution?
Petra: Wir sind attraktiv für Talente im Technologiebereich, weil wir eine Expertenorganisation sind. Jüngere fragen nach Purpose und Impact. Ich finde das, wofür DEKRA steht – Sicherheit und Nachhaltigkeit – lockt junge Talente an. Und gleichzeitig dieser technologische Fokus. Wenn ich als KI-Experte anfange, habe ich sofort ein spannendes Umfeld. Wir brauchen jetzt nicht extrem viele KI-Entwickler, sondern Experten für Plattformen, aber wir müssen das Wissen breiter streuen und auch Mitarbeiter auf der Fläche zu KI-Anwendern machen.
Bene: Also im Endeffekt sagst du: „Ich sitze auf einem riesen Datenschatz, kommt zu mir, ich bilde euch aus und ihr dürft mit meinen Daten spielen.“
Petra: Ja, wichtig ist auch die gute Balance zwischen Junioren und Senioren. Dass Junioren durch Senioren mitgenommen werden. Und wir haben zum Beispiel im Cyber Security Bereich weltweit sehr gute Talente. Die kommen zu uns, weil wir Produkte der Hyperscaler testen. Wir haben spannende Kunden und technologisch anspruchsvolle Aufgaben. Experten im Cyber-Bereich sind in Europa sehr gesucht und wir können ihnen etwas bieten. Und eben dieser Purpose „Sicherheit“, das unterstützt jeder gerne.
Bene: Jensen Huang, CEO von NVIDIA, und Emad Mostaque von Stability AI haben beide gesagt, es lohne sich eigentlich nicht mehr so richtig, Programmieren zu lernen oder Junior-Entwickler einzustellen. Ich persönlich halte das für einen Fehler, gerade in europäischen Organisationen, die die Digitalisierung vielleicht teilweise verschlafen haben. Ich glaube, diese Juniors sind die wichtigsten Rollen, weil sie den Status Quo challengen und neue Technologien reinbringen. Und das kombiniert mit den Seniors, die das Domänenwissen haben, das ist, glaube ich, wo die Zukunft liegt.
Petra: Du sagst das Stichwort Domänenwissen. Ich kann zwar viel automatisieren, aber das Domänenwissen muss eben nicht nur auf der Anwenderseite liegen, sondern auch bei denen, die die Lösungen bauen. Deshalb brauchen wir das. Arbeiten wie Dokumentationen oder Testen werden durch KI unterstützt, was den Entwickler entlastet. Der Satz von Emad Mostaque, dass es in fünf Jahren keine menschlichen Programmierer mehr geben wird, ist kritisch. Möglicherweise programmieren sie nicht mehr so, wie sie heute programmiert haben, sondern überwachen und orchestrieren Modelle. Aber sie werden immer noch mit Code arbeiten. Idealerweise sitzen Programmierer ja nicht mehr nur im Keller im Dunkeln vor zehn Bildschirmen. Moderne Programmierung bedeutet enge Kommunikation mit den Anwendern, um das Problem und die Domäne zu verstehen. Das eigentliche Coding wird automatisiert, aber du brauchst das Know-how über Architekturen. Das Bild vom Programmierer mit Scheuklappen ist überholt.
Bene: Ich glaube ganz stark, dass wir vor der größten Transformation überhaupt stehen. Wie nimmst du Führungskräfte mit auf Jobs vorzubereiten, die es noch gar nicht gibt? Und wie nimmst du ihnen die Angst, dass KI ihre Expertise nicht ersetzt, sondern ergänzt?
Petra: Wir sind auf dem Weg. Mitnehmen, erklären, erkennen, wo Unsicherheiten sind. Es ist auch viel Training. Ich glaube, da haben wir echt noch viel aufzuholen. Führungskräfte lesen oft Schlagzeilen wie „Demnächst gibt es keine Entwickler mehr“. Also geht es darum, mit konkreten Beispielen den Nutzen für Kunden und Mitarbeiter zu zeigen. Da braucht es HR. Die HR-Abteilung und die Zusammenarbeit mit den Führungskräften spielen eine große Rolle. Wir müssen unsere Mannschaften in die Lage versetzen, mit dieser Unsicherheit umzugehen.
Bene: Wenn wir das Bild größer machen auf die EU: Wir haben in Brüssel einen regulierungswütigen Apparat, der sofort mit der Regulierungskäule kam. Inzwischen sehen 56 Prozent der Unternehmen den EU AI Act als Standardnachteil und Innovationsbremse. Wie schaffen wir es, dass Compliance keine Bremse, sondern ein Wettbewerbsvorteil ist?
Petra: DEKRA steht für Sicherheit und Compliance. Ich finde Sicherheit ist ein Vorteil, weil man der Technologie vertrauen kann. Das Ziel des AI Acts, bestimmte KI, die unseren Werten nicht genügt, gar nicht zuzulassen oder Hochrisikoanwendungen zu prüfen, können wir unterstützen. Wo es oft scheitert, ist die Bürokratie in der Umsetzung. Wenn die Definitionen zu komplex sind, wird es zum Monster. Wir müssen auf praktische Umsetzung und Digitalisierbarkeit achten. Dann haben wir den Vorteil von vertrauenswürdiger Technologie ohne administrativen Nachteil. Unternehmen wie DEKRA können helfen, Normen so zu machen, dass sie praktisch anwendbar sind. Man soll es nicht übertreiben. Pragmatiker müssen enger mit denen zusammenarbeiten, die solche Dinge entwerfen.
Bene: Ich finde es nur etwas traurig, dass die EU reguliert, während die Chinesen sagen: „KI und EVs sind unsere Zukunft, darauf setzen wir.“
Petra: Regulierung gibt es weltweit, auch in China. Aber dort wird die Entwicklung in allen Bereichen total unterstützt. Bei uns ist eine Zögerlichkeit dabei. Ich finde Standards wichtig, aber sie müssen praktikabel sein.
Bene: Dann lass uns gemeinsam dafür kämpfen, dass wir diesen Kulturwandel herbeiführen und einfach mal machen.
Petra: Wir wollen in Europa und gerade in Deutschland oft von Anfang an alle Risiken ausschließen. 100 Prozent gibt es nicht. Auf der anderen Seite hast du in den USA oft die Klagewellen. Wenn wir es schaffen, vertrauenswürdige Sicherheitstechnologie hinzubekommen und trotzdem innovativ zu sein, dann ist das ein Standortvorteil.
Bene: Das ist die Zukunft, auf die ich mich freue.
Petra: Ich auch. Lassen wir sie uns gestalten. Chancen mehr betonen als Risiken, die Risiken vernünftig kontrollieren, aber mit positiven Narrativen vorangehen statt mit Angst.
Bene: Was liest du zurzeit? Was hat dich inspiriert?
Petra: Ich lese viel quer durch den Garten – von Fachliteratur über Krimis bis zu Literatur. Das Hobby teile ich mit meinem Mann. Gerade lese ich „Die Holländerin“, der Deutsche Buchpreis. Das ist abends im Hotel harte Kost, aber es geht um Umbrüche, Unsicherheit und selbstbestimmten Umgang damit. KI wird oft als Bedrohung gesehen, und wenn ich selbstbestimmt damit umgehen kann, passt das irgendwie zu unserem Thema. Und ich lese natürlich viel im KI-Umfeld, um mitreden zu können.
Bene: Martina Merz hat Markus Berrett gefragt, was sein Impact ist. Und Markus hat die Frage an dich weitergegeben: Was ist dein Impact?
Petra: Dass die Potenziale der Technologie erkannt und aufs Unternehmen übertragen werden, die Mitarbeiter mitgenommen werden. Ich habe auf der Hundert-Jahresfeier gesagt: Es wäre schön, wenn ich den Impact erzielen könnte, dass hinterher kein CDO mehr gebraucht wird, weil alle Führungskräfte und Mitarbeiter die Potenziale von Technologie selbst erkennen und sinnvoll einsetzen können. Dass es diesen Übersetzer gar nicht mehr braucht. Das ist mein Ziel.
Bene: Ich drück dir dabei die Daumen. Was ist deine Frage für den nächsten Gast?
Petra: Was braucht es, damit Menschen in der Organisation Transformation nicht nur mitnehmen und akzeptieren, sondern sie wirklich aktiv mitgestalten?
Bene: Mega. Vielen Dank, Petra, für diese sehr gute Unterhaltung. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert „Wo wandelt, wirkt“. Wir hören uns in zwei Wochen wieder.
Petra: Danke dir auch. Hat sehr Spaß gemacht.